27 September, 2016

Happy Five - Geburtstagskleid

Es ist so verrückt.
Ich kann einfach nicht fassen, dass sie bereits fünf ist.
Aber wenn ich sie ansehe, sehe ich ganz genau, dass sie älter geworden ist. Größer, cleverer, reifer...
Zwischen das kindliche Tun, mischt sich immer mal wieder etwas ganz Erwachsenes. Es blitzt kurz auf und lässt mich verwirrt und verliebt zugleich zurück... Verwirrliebt.


Ich bin euch doch noch ein paar Bilder von dem Geburtstagsoutfit schuldig.
Die wollen wir euch jetzt zeigen:






Ein Drehkleid mit deutlichem Hinweis auf das aktuelle Lebensalter. Der Schnitt ist diesmal eine Kombo aus zweien. Ich habe hier den Schnitt Nika Herbstkleid (Fusseline) mit der Idee von Lottis Drehkleid (Mitosa) symbiosiert. 

Bei den Farben hab ich diesmal ganz tief in den Mädchenfarbeimer gegriffen und rosa, pink und lila kombiniert. Schon allein der kleine gekordelte Gürtel sieht aus wie eine Zuckerstange vom Jahrmarkt. 

Im Rückteil hat sich noch ein Einhorn versteckt. Mädchenmädchen-Overkill. 
Aber so lieben wir es gerade. 









Ja...
total verwirrliebt.


Lieblingsgrüße


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Schnitt: Nika Herbstkleid und Lottis_Drehkleid kombiniert.
Holzfünf: @Penkstagram




22 September, 2016

Alleinerziehend - (k)ein Stigma?!

Hallo, ich bin Linda und ich bin Alleinerziehend...

Naja... irgendwie so...
Ich wohne in einer eher ländlichen Gegend. Mein Umfeld ist hier im Großen und Ganzen sehr konservativ eingestellt (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel).
Hierzulande "zuzugeben", dass man mit seinem Kind alleine wohnt, gleicht einem mittelschweren Vergehen. Die kleinlaute Beichte wird mit mitleidigen Blicken bedacht, die zwischen mir und dem Mädchen hin und her wandern. "Oh..."
Der „Makel des Scheiterns“ scheint mir anzuhaften und äußerlich sichtbar zu sein.
Bin ich beziehungsunfähig? Bin ich überfordert? Sind wir eine Familie zweiter Klasse, weil wir die meiste Zeit nur "Zwei" statt "Drei" sind?  
Bin ich gescheitert?!




Tatsächlich kenne ich in meiner näheren Umgebung kaum alleinerziehende Mütter oder Väter. Hier herrscht das perfekte Familienbild der Zwei-Kind-ein-Hund-Familie vor. Hier bin ich ein Sonderling, den es nicht vorurteilsfrei zu begutachten gilt.


Warum hängt dem Wort "Alleinerziehend" so ein negatives Weltbild an?

Vor mehr als 50 Jahren wurden alleinerziehende Frauen (meistens waren es ja Frauen) noch geächtet. Dem liederlichen gescheiterten Frauenzimmer wurde die Vormundschaft für das Kind aberkannt. Sie wurde von bestimmten kirchlichen Ritualen (Kommunion, Begräbnis, Patenschaft) ausgeschlossen. Eine uneheliche Geburt bedeutete weitgehende Rechtslosigkeit für Mutter und Kind.

Auch heute noch steht man mit dem Stempel Alleinerziehend nicht ganzheitlich gleichberechtigt da.
Es ist wahnsinnig kompliziert Arbeit, Alltag, Haus und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen, ohne dass man selbst unter dem Druck zerbricht. Dass ist schon als Mutter in einer funktionierenden Ehe nicht leicht. Wenn dann der Partner, der einem einen Teil der Verantwortung abnehmen kann, nicht ständig verfügbar ist, wird es umso schwerer.

Finanzielle Sorgen sind ein stetiger Begleiter. Mit einer Trennung fällt auch ein Gehalt weg. Haus, Miete, laufende Kosten, Versicherungen, Nahrung, Auto, Arztkosten, Kleidung... puh... da macht man Abstriche.

Fehlende Flexibilität macht sich nicht nur in der Freizeit, insbesondere auch im Job bemerkbar. Eine Teilzeitstelle ist hinsichtlich der finanziellen Sorgen meist weniger attraktiv, eine Vollzeitstelle aber kaum umsetzbar. Die berufliche Qualifikation will man aber doch ausleben können und nicht mit minder verantwortungsvollen Aufgaben beauftragt werden. Problematisch ist außerdem das nicht zusammenpassen von Arbeits-, Betreuungs- und Familienzeit.

Fehlende Akzeptanz und fehlendes Verständnis von Mitmenschen bringt weitere Unvereinbarkeiten mit sich. Meine Familie und Freunde haben die Trennung vom Kindsvater und den Beginn meines Daseins als alleinerziehende Mama unmittelbar mitbekommen. Die Reaktionen waren dabei unterschiedlich. Oft bestärkend, unterstützend und aufbauen.
Doch leider auch oft schmerzhaft und enttäuschend. Ich habe einige Menschen aus meinem Freundeskreis verloren. Es wurde viel geredet, viel gemutmaßt, viel geurteilt, wenig nachgefragt. "Du hast es doch selbst so gewollt! Du bist doch selber schuld..." Ich habe einiges über Vertrauen und die Bedeutung von Freundschaft gelernt.

Ist die Gesellschaft überhaupt bereit, eine Ein-Eltern-Familie als vollwertig anzusehen?
Sehen Außenstehende die Lebenssituationen Alleinerziehender viel negativer, als sie ist?




ABER

Alleinerziehend fühlt sich für mich gar nicht schlecht an. 
Ich bin sogar ganz stolz auf unseren kleinen Mädelshaushalt (Der im Übrigen gar nicht so klein ist, denn wir schaffen es auch zu Zweit, unser Eigenheim zu halten). Wir organisieren uns zu Zweit einwandfrei. Es fehlt und nichts und die Abstriche, die wir machen füllen wir mit extra Liebe auf.
Alleinerziehend fühlt sich für mich gar nicht "allein" an. Ich bin in einem guten sozialen Netzwerk eingebunden. Habe Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde die mich unterstützen. Auch ist der Papa des Mädchens doch immer noch da und er kümmert sich gerne, liebevoll und gut. Wir pflegen ein tolles Verhältnis und verbringen auch gelegentlich noch Zeit als Familie und versuchen uns gegenseitig zu stützen.
Alleinerziehend hat mich stärker gemacht.
Ich habe einiges gelernt. Viel erfahren. Viel verstanden.
Warum ich als Alleinerziehende absolut zufrieden bin und sein darf, erzähl ich euch demnächst auch.


Seid ihr auch alleinerziehend oder kennt jemanden im Freundeskreis, der alleinerziehend ist? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?



Lieblingsgrüße!

19 September, 2016

Schon fünf!

Ich selbst kann es kaum fassen, dass mein Zuckermädchen nicht nur schon lange ein Vorschulkind ist, sondern nun auch bald 5 Jahre alt wird.

Sonntag ist es soweit. Wie jedes Jahr gibt es ein Geburtstagsoutfit. Diesmal ganz mädchenhaft und ganz verträumt.
Ganz zeigen kann ich es euch noch nicht, denn das Mädchen hat es noch nicht gesehen und somit auch noch gar nicht getragen.
Ich bin so gespannt, was sie sagen wird.






Bisher gab es zu jedem Geburtstag ein Geburtstagsshirt. Vom ersten Shirt habe ich leider (oder zum Glück) gar kein Foto gemacht. Damals war ich noch nicht so fit, was Bestickungen angeht, und das sieht man dem Shirt ganz gut an. Dennoch liegt es zusammen mit den anderen Geburtstagsoutfits in einer Erinnerungskiste, die das Mädchen irgendwann bekommen wird. 
Mal schauen, wie viele Geburtstagsoutfits ich zusammen bekomme.




Wie lange habe sich denn eure Kinder (sofern schon größer) von euch benähen lassen?

Lieblingsgrüße! 






16 September, 2016

Nocheinmal den Sommer riechen...

An einem Regentag genäht, an einem Sommertag getragen.
Und heute, nach einer erfrischenden Gewitternacht gebloggt
Mit diesem Drehkleid kriegen wir ganz warme Sommergedanken, die wir einschließen und mit in die kühlere Jahreszeit nehmen wollen. 








Meinetwegen kann es mit dem Jahresendsommer ja gerne weiter gehen!
Bis Weihnachten und dann auch gerne darüber hinaus.

Das Kleid ist genäht nach dem Schnitt Lottis Drehkleid von Sandra. Die Stoffe liegen schon so lange in meinem Stoffregal. Jetzt überkam es mich kürzlich und wie von Sinnen zerschnitt ich den ewig gehüteten gelben Wolkenstoff und den waldigen Lillestoff fast komplett.
Gelb vernähe ich so selten.
Ich weiß gar nicht warum, denn da kommen einem beim Nähen bereits sonnige Gedanken!
Stresstherapeutisches  Gelb - Vernähen, quasi.








Mit dem tollen Drehkleid lässt es sich auch richtig gut sonnentanzen! Ich kann den nächsten Sommer schon jetzt kaum erwarten!

Lieblingsgrüße

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Schnitt: Lottis Drehkleid
Stoffe: Vicente Wolken und Lillestoff
verlinkt: kiddiekram

13 September, 2016

Ich packe meinen Koffer und nehme mit... mein Kind?

Urlaub!
Manchmal denkt mein Kopf, mein Körper, meine ganze Seele nichts anderes...
Urlaub...
Sonne...
Ruhe...
Auch jetzt ruft gerade alle in mir nach einer Woche Ruhe und Entspannung!






Die Herbstferien stehen bevor, also ab dafür!
Aber wohin mit dem Kind? Oder nehme ich es gleich mit?
Beim Nachsinnen über diese Frage kommen mir viele Fragen und Gedanken in den Kopf.

Mamagedanken…
Brauchen Kinder überhaupt Urlaub? Ist er für Kinder notwendig und wichtig?
Oder ist es eher stressig für sie? Tut ihnen die Aufregung vielleicht gar nicht gut? Brauchen sie ein 5Sterne All inclusive Hotel? Oder ist ein naturnaher Camper-Urlaub vielleicht viel spannender? Kann ich einen Urlaub genießen, wenn ich sie eine ganze Woche zur Oma gebe oder plagen mich Gewissensbisse und Sehnsucht? Ich möchte ihr doch auch eine Auszeit gönnen! Eine Auszeit von mir? Oder mit mir?

Ichgedanken…
Bringt mir der Urlaub mit Kind genauso viel Erholung, wie ohne Kind? Darf ich auch mal aus meiner Mutterrolle schlüpfen? Kann ich den Alltag hinter mir lassen, wenn ich den täglichen Anzieh-Umzieh-Zähnputz-Schlafengeh-Stress mitnehme?
Und wie wirkt sich das finanziell aus? Es kostet natürlich mehr, wenn Kinder dabei sind.



Achjee... versteht mich nicht falsch!
Ich bin mit dem Zuckermädchen auch schon ein paar Mal weggefahren.
Mal für ein Wochenende an die Ostsee oder für zwei Tage an die Nordsee. Sie ist eine ganz tolle und meist unkomplizierte Reisebegleitung!


Urlaub an der Nordsee - Sandspielzeug



Die Wochenendtrips an die Nordsee sind von einer naiven Leichtigkeit begleitet, die es sowohl einfach, als auch schwierig macht. Beim Sachen packen machen wir uns kaum Gedanken, denn ins Auto passt ja alles rein. Das Fahrrad, sämtliche Kuscheleulen, die komplette Matschausstattung, drei Badematten, zwei Rucksäcke voll Süßigkeiten Verpflegung (dabei gibt es so tolle Listen zum Abhaken). Natürlich fehlt am Ende mein Schlafanzug, ihre Zahnbürste und unser Gutenacht-Geschichtenbuch. Natürlich haben wir beim ersten Frühstück in unserer Ferienwohnung nur Gummischlangen und keine Käsebrötchen. Macht nichts, lustig ist es trotzdem!


Für mich sind zwei Nächte an der rauen See, in Verbindung mit der Autofahrt und der fehlenden Kofferpacksysthematik meist nicht so richtig erholsam.
Aber das Zuckermädchen kommt den Taschen voll positiver Eindrücke nach Hause, mit einem Rucksack voll Erfahrungen und beiden Händen voll Emotionen. Sie strahlt, wenn sie von unserer gemeinsamen Zeit erzählt. Und das nicht nur in den ersten Wochen danach. Noch heute kennt sie die Zimmernummer von einem Hotelzimmer, dass wir für nur eine Nacht im Februar unser eigen nennen durften. 378.
Und dann strahle ich mit, freue mich zu sehen, wie sie mit den neuen Erfahrungen wächst und erinnere mich an eine kurze, stressige aber sowas von schöne Zuckerzeit.


Urlaub an der Ostsee - Sonnenbrille


Und dann ist mir ganz klar: Natürlich nehme ich sie mit! Egal wohin es geht.

Urlaub mit Kind ist anders! Ganz und gar nicht vergleichbar mit einem Pärchen- oder Partyurlaub plant. Aber es tut der Seele gut. Meiner und ihrer.

Deshalb wollen wir beim nächsten Mal so richtig Urlaub machen.
Also weit weg! Und für länger. Ins Ausland! Mit dem Flieger!
Oh, uppsa… Da kommen wieder viele Fragen auf!
Ist sie dafür wirklich alt genug? Wie verträgt sie einen langen Flug? Wie, die fremde Sprache vor Ort? Fremde Gerüche, Gepflogenheiten, Sitten? Und dann denke ich an diese riesigen, unübersichtlichen Flughäfen mit ihrem gewaltigen irritierenden Ausmaßen. Wie soll ich ihr in dem Moment vermutlich größter geistiger Verzweiflung klar machen, dass ich genau weiß, was ich tue und dass alles gut ist?

Strand in Palma - Koffer


Ich schiebe all diese Gedanken mit der bekannten naiven Leichtigkeit zur Seite.
Das wird schon! Das wird großartig! Im Grunde ist sie mein größter Ruhepol in Momenten größter geistiger Verzweiflung. Außerdem ist sie kein Kleinkind mehr und sehr selbstständig. Wir fangen smooth an. Mit einem Allinclusive Familienhotel. Und diesmal haben wir auch eine Checkliste, damit wir nichts vergessen.
Und das Beste ist natürlich, dass wir schon jetzt gemeinsam einen Koffer aussuchen können.


Und wie seht ihr das? Ist Urlaub mit Kind anders, als ohne Kind?

Lieblingsgrüße!

08 September, 2016

Kleines Schwarzes zum Gutfühlen.

Ein schlichtes schwarzes Kleid wollte ich  mir schon immer selber nähen. Die Umsetzung dieses Vorhabens hat eine ganze Weile gedauert. 
Welcher Schnitt? Welches Material? Welcher Anlass? 


Das Thema "für welchen Anlass will ich mir ein Kleid nähen" war dabei fast am schwierigsten abzuhaken. Ein Abendkleid, ein Strandkleid, ein Partykleid, ein kuscheliges Sweatkleid? 
Boaaa, echt mal jetzt! Keine Ahnung! 
Gibt es nicht eines, dass alles abdecken kann

Mit solchen Wunschvorstellungen kommt man natürlich nicht weit. Ich glaube aber, ich habe mir da doch eine eierlegende Wollmichsau erschaffen... auch wenn es einige Anläufe und ein paar Wuttränen gekostet hat.  Aber lest selbst. 




Entschieden habe ich mich nach langer Suche für einen Schnitt von makerist. Nach dem Ebookdownload, Druck und dem Zusammenkleben des Schnittmusters, war ich aber zugegebener Maßen etwas enttäuscht. Der Schnitt ist sicher knorke und durchdacht, das zeigen ja auch tolle Designbeispiele! Aber er war aber so gar nicht das, was ich mir vorstellte... eher ein verlängertes Shirt, denn einem raffinierten Abend-Strand-Kuschelkleid. 

Pfff! Menno.
Aber ich will ja nicht vorurteilen. Also versuche ich mich doch am Schnitt. 





Bei der ersten Anprobe des Rohkleides kam dann die nächste Enttäuschung: VIEL zu weit! Und zwar nicht nur ein bisschen an den Seiten, sondern überall!
Ärmel zu lang, keine Taille, am Rücken abstehend und obenrum, dort wo eigentlich ein tolles Dekolleté zu sehen sein sollte, ein Hauch von betontem Nichts. 
...eher ein Nachthemd, denn einem sexy schwarzen Abend-Strand-Kuschelkleid.

Was hab ich da nur zugeschnitten? Hab ich beim Zuschnitt nicht aufgepasst? 

Mir war ja echt zum Heulen zumute... Vor allem weil das Kleid mich insbesondere "obenrum" traurig machte... naja... reden wir nicht mehr davon.
Ich war versucht, den schönen schwarzen Jersey ohne weiteres Hinsehen vom Nähtisch in die Mülltonne zu verschieben, niemanden davon zu erzählen und heimlich einen zweiten Versuch zu starten. 
Aber das geht ja auch nicht! Meterweise Stoff wegschmeißen, dass kann keine nähende Seele, oder?

Dann muss ich eben doch selber ran und den Schnitt nach meinen Wünschen verändern und raffinieren!



Also folgten also Abnäher am Rücken, am Po und an dem Ausschnitt in Wickeloptik. Die Taille hab ich etwas verschmälert.
Den oberen Teil des Nachthemdes trennte ich wieder ab und fügte eine sexy Rückenöffnung ein. 
Im gleichen Atemzug kamen kleine Schlaufen aus Snappap in zwischen Ober- und Unterteil, in die ich einen geflochteten Gürtel aus braunem Jersey einfädelte. 
Eine Seite des Kleides wird nun noch mit einem, sich am Ärmel wiederholenden Snappap-Highlight hochgerafft. 








Und jetzt bin ich total begeistert. Ein richtiges kuscheliges Kleid, dass ich sowohl zu einer (nicht ganz so ballsaaligen) Hochzeit, als auch am Strand anziehen würde. zu dem Ballerinas, Chucks und Heels passen. Das mit den Snappap-Highlights supercool ist und doch irgendwie hot rüber kommt.


Boa!
Jetzt hab ich mich eindeutig etwas über den Klee gelobt.
Aber das brauchte ich nach dem anfänglichen Kleiddilemma auch!
Sorry, dafür...
Wir sehen uns beim Rums!


Lieblingsgrüße!

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Schnitt: äh ja...
Stoff: schwarzer Jersey
Schuhe: Deichmann



05 September, 2016

Von Mut und Angst...

Eine kleine Erfahrung, die wir kürzlich auf einem Kinderflohmarkt machten:

Das Zuckermädchen hat eine eigene Geldbörse, in die ich und auch die Oma ein paar Geldstücke hineingelegt haben. Sie darf heute allein über das Geld verfügen und sich auf dem Flohmarkt etwas aussuchen. Zuerst gibt es ein kleines Buch, dass ich mit ihrem Geld für sie bezahle. Dann finden wir  eine Einhorn-Figur, bei der wir zusammen den Preis erfragen und bezahlen.

Dann schließlich verliebt sie sich in ein großes, pinkes, glitzerndes Plastikschloss. Es ist etwas bemalt und ein wenig kaputt (und kann also nicht teuer sein). Aber hey! Es kann leuchten, Musik machen und es ist pink! Sie will es! Unbedingt! Dieses Schloss und kein anderes.
"Okay", sage ich, "du darfst es dir kaufen. Aber diesmal fragst du selber, wieviel es kostet!"
Es gibt einiges Hin und Her vor dem pinkschlössigen Flohmarktstand.
"Ich kann das nicht alleine." "Du musst das machen." "Ich will das nicht machen." "Ich trau mich nicht."
"Okay", sage ich, "du musst es ja gar nicht machen. Wir können auch weitergehen und schauen, ob wir was anderes finden und du dann mehr Mut hast."
Das will sie auch nicht. Dieses Schloss hat es ihr angetan.





Also atmet sie tief durch. Sie ballt die kleinen Fäuste zusammen als wollte sie ihren Mut festhalten.
Dann nickt sie entschieden: "Okay, ich mache es!"
Und sie fragt. Allein.
Sie bezahlt. Allein.
Ich stehe nur hinter ihr. Nicke der Dame hinter dem Flohmarktstand freundlich zu.
"Alles okay, sie macht das schon!"






Es war eine kleine Erfahrung, die uns viel gab:

Danach waren wir beide so unheimlich stolz!
Danach fühlten wir uns beide so unheimlich groß! 
Sie, weil sie etwas getan hatte, vor dem sie Angst hatte und damit etwas erreicht hatte, was sie wollte. Und ich weil mein Kind so eine unheimliche Willenstärke bewiesen hat. Ich könnte mich so gut in sie hineinfühlen. Den Respekt vor der vermeintlich großen Aufgabe in ihren Augen sehen und den Moment anfassen, in dem sie entschlossen ihren Mut gesammelt hat.

Es zeigte mir auch, dass Angst und Mut einfach unmittelbar zueinander gehören. Dass man Angst haben muss, um Mut empfinden zu können.

Angst ist also auch etwas Gutes?
Mal angenommen, sie hätte keine Angst gehabt, an diesem besagten pinkschlössigen Flohmarktstand. Sie hätte nicht lange nachgedacht, wir hätten nicht lange diskutiert. Ich hätte nicht versucht ihr Mut zu machen oder ihr schlussendlich eine Alternative geboten.
Sicherlich hätte ich es auch irgendwie mutig gefunden, dass sie alleine mit der Dame hinter dem Stand kommuniziert. Aber der Flohmarktbesuch wäre ohne diese schöne, stärkende Erfahrung geblieben. Dann wären wir nicht innerlich gewachsen.


Ich bin stolz auf sie, weil sie Angst hat und sich der Angst gestellt hat.
Ich möchte ihr die Angst nicht ausreden. Ich will ihr Mut machen...


Wann waren eure Kids mal richtig mutig?




Lieblingsgrüße!